Abu Dhabi · 6. November 2026
Die Geburtswehen kennt ihr schon. Was danach kam, war eine Zangengeburt. In den Emiraten hängt fast alles an einer kleinen Plastikkarte, der Emirates ID. Genau die hatten wir nicht.
Gelandet bin ich am 8. Oktober um 0:25 Uhr, die Koffer steckten noch in Istanbul. Jeannie flog mit Emirates von Lissabon nach Dubai und musste dort zuerst zum Grenztierarzt. Um 5:45 Uhr klingelte es, und der Agent stellte mir eine gesunde, sehr hungrige Katze in die Wohnung. Fast 30 Stunden hatte sie nichts gefressen. Zum Glück lag eine Ration ihres Futters aus der Schweiz in meinem Handgepäck. Dann haben wir beide bis Mittag gedöst.
Das Problem ist schnell erklärt. Ohne Emirates ID gibt es kein Bankkonto, ohne Bankkonto keine Checks. Und ohne Checks keinen Mietvertrag, denn Mieten werden hier mit Checks bezahlt. Die ID wiederum kommt erst, wenn das Visum durch ist.
Durch den Visa-Prozess führte uns Vaishangi von der Ajman Media City Free Zone, bei der wir unsere Firma gegründet haben. Wir schrieben uns fast jeden Tag. Seit dem 16. Oktober sind wir keine Touristen mehr, aber für die ID mussten wir noch persönlich hin. Am 19. Oktober fuhren wir um 5:45 Uhr los nach Ajman, dem Emirat nördlich von Dubai, zum Gesundheitstest und zu den biometrischen Aufnahmen.
Parallel suchten wir mit unserem Makler eine Mietwohnung. Am Samstag erklärte er uns im Büro, wie der Markt hier läuft, schon am Montag ging es auf die erste Tour. Bald hatten wir eine Wohnung ausgewählt. Ein paar Tage später war sie weg, vermietet an jemand anderen. Ohne ID können wir nämlich weder einen Vertrag abschliessen noch etwas reservieren. Eine Wohnung Monate im Voraus mieten wie in der Schweiz? Hier unvorstellbar.
Auch WhatsApp gehört hier zum Überleben, ohne geht fast nichts. Beim Wechsel auf die neue Nummer habe ich mir gleich die ganze Geschichte gelöscht. Immerhin lief es gerade rechtzeitig: Am 23. Oktober kam die Nachricht zur Auslieferung der ID, mit falscher Adresse. Auch das liess sich lösen.
Geliefert werden sollte zwischen Samstag, 9 Uhr, und Montag, 18 Uhr. Man muss die Karte persönlich entgegennehmen, sonst versuchen sie es irgendwann später nochmals. Also sassen wir ab 8:55 Uhr mit dem Handy neben uns auf dem Sofa. Um 11:23 Uhr der Anruf: demnächst. Am Nachmittag waren die Karten endlich da. Wir fuhren sofort zur Bank in die Reem Mall und eröffneten unsere Konten. Ein paar Tage später hatten wir Bankkarte und Checks, und am 29. Oktober unterschrieben wir den Mietvertrag.
Nebenher lief mein Nierenstein. Am Abend einfach in die Urologie gegangen, 20 Minuten später sass ich beim Arzt, und er spricht sogar Deutsch. Der Eingriff wurde wegen Bakterien verschoben und noch einmal verschoben, meinen Geburtstag verbrachte ich in der Klinik bei drei Ärzten, alles ohne Termin. Die Leute hier planen fast nichts, aber fast alles ist sofort möglich. Das lernen wir gerade. Am Montag, 9. November, kommt der Stein nun definitiv raus.
Am 2. November sind wir eingezogen, in The Residence im Central Park Tower auf Reem Island, dem Manhattan von Abu Dhabi. Hier wohnen wir die nächsten paar Jahre, und das ist die Aussicht:
Wir kamen mit zwei Koffern Kleider, alles andere mussten wir neu kaufen. Kerstin hat auf Dubizzle, dem grossen Kleinanzeigen-Portal hier, praktisch alle Möbel und Geräte gefunden, von der Waschmaschine bis zum Kühlschrank. Der Rest kam von IKEA oder von Noon, dem Amazon der Emirate. Bestellt, und 20 bis 60 Minuten später steht es vor der Tür. Einen ganzen Haushalt vom Kaffeelöffel bis zu den Balkonmöbeln hätten wir weder in Portugal noch in der Schweiz so günstig bekommen.
Nicht alles klappte so schnell. Am 2. November sollte unter anderem das Bett geliefert werden. Um 18 Uhr teilte uns der Lieferant mit, er könne an diesem Tag jetzt doch nicht kommen. Da haben wir ihm gesagt, er müsse gar nicht mehr kommen, und auf den nächsten Tag ein anderes Bett gesucht und gefunden. Eine Nacht mussten wir aber auf dem Sofa schlafen, was gar nicht so unbequem war. So haben wir auch gleich unser «Gästebett» selbst getestet.
Die IKEA-Möbel hat Kerstin selbst montiert, als erfahrene Handywoman. Ich bin ja mit zwei linken Händen ausgestattet worden 😉 Den Abfall stellen wir einfach vor die Wohnungstür, das Team unseres Towers holt ihn ab und entsorgt ihn.
Sogar die Fenster wurden noch von aussen gereinigt. Die Firma beschäftigt vor allem Sherpas aus Nepal, die sind es gewohnt, angeseilt in grosser Höhe zu arbeiten. Mir wird schon schwindlig, wenn ich vom Balkon auf unseren 25-Meter-Pool hinunterschaue.
Am 5. November waren wir fast fertig eingerichtet, es fehlen nur noch ein Teppich und Bilder. In weniger als einem Monat haben wir das Visum geschafft, die Führerscheine umgeschrieben und die Wohnung eingerichtet. Die Geburt ist also gelungen. Mutter und Kind sind wohlauf, und Jeannie auch.